#52 – Woche 5: „Bücherei“

#52 Vorfahren Woche 5 Beitrag

Das Motto der 52 Vorfahren in 52 Wochen Challenge lautet diese Woche Bücherei. Ich habe keinen konkreten Vorfahren, den ich dir in dem Zusammenhang vorstellen kann. Es sind eher ganze Familienzweige, die ich mithilfe von Büchereien erforscht habe. Wie das funktioniert hat, erzähle ich dir in diesem Beitrag. Und du bekommst am Schluss noch einen Geheimtipp, wo du viele Kirchenbuchduplikate inzwischen kostenlos und direkt einsehen kannst.

Meine eigene „Banat Bücherei“

Ein Großteil meiner Vorfahren kommt aus der historischen Region Banat, welche sich auf das heutige Dreiländereck Serbien, Rumänien und Ungarn erstreckt. Eine Region, die im 18. Jahrhundert durch deutsche Kolonisten (Donauschwaben) besiedelt wurde. Der Zugang zu den Kirchenbuchduplikaten oder Standesamtsregistern gestaltete sich gerade zu Beginn meiner Forschung aber eher schwierig.

Nachdem diverse Anfragen an das Standesamt in Setschan (heute Sečanj) unbeantwortet blieben, erstellte ich einen Hilferuf im Forum von ahnenforschung.net. Daraufhin meldete sich eine nette Dame, die ich übrigens heute noch in meine Gebete einschließe. Sie informierte mich, dass sie in den Banater Ortsfamilienbüchern zu Setschan und Lazarfeld einige Einträge zum Namen Palnik gefunden habe. Da der Name nicht so häufig vorkommt, war mir klar, dass es sich um Teile meiner Vorfahren handeln muss. Ich fragte sie also ganz behutsam, ob sie bereit wäre, mir die ein oder andere Auskunft zu erteilen.

Sie schrieb mir daraufhin eine Email, in der sie berichtete, mit ihrer Ahnenforschung fertig zu sein. Sie würde mir daher ihren Bestand an Ortsfamilienbüchern gerne überlassen. UN-GLAUB-LICH! Ich habe kürzlich ja schon geschrieben, dass man eigentlich nie mit seiner Ahnenforschung fertig sein kann. Aber scheinbar hat die Dame ihre Gründe gehabt, ihre Recherchen abzuschließen.

Ich wartete also sehnsüchtig auf das Paket. Der Postbote hatte in der Zeit schon ein wenig Angst vor mir, glaube ich. Kurz vor Weihnachten (wie passend) traf es endlich ein. Ab da hatte ich den Bestand für meine private Banat Büchererei zusammen.

Meine Banat Bücherei

Ich hatte also in den folgenden Wochen viel zu tun. Mithilfe der Ortsfamilienbücher konnte ich den gesamten Weg meiner Vorfahren von Setschan über Lazarfeld, Ernsthausen bis zurück nach Ulmbach verfolgen. Ich weiß ich weiß, ich verstoße gerade gegen die mir selbst auferlegten Regeln, Forschungsergebnisse immer mit Originalquellen zu untermauern. Ortsfamilienbücher gehören nicht zu den Primärquellen (die ein Ereignis eindeutig aus erster Hand belegen). Strenggenommen gehören sie nicht einmal zu den Sekundärquellen. Aber das war mir an der Stelle erstmal herzlich egal. Bildeten sie doch den vorerst einzigen Zugang zu einem kompletten Zweig meiner Familie.

Trotzdem sollte dieser Bestand an Orstfamilienbüchern nicht ausreichen. Denn neben den genannten Regionen verliefen sich die Spuren auch in die Banater Ortschaften Stefansfeld und Rudolfsgnad. Und der Ursprung der ganzen Sippen schien ja um 1720-1730 wiederum in Deutschland zu liegen, genauergesagt in Urmitz. Glücklicherweise gibt es auch zu diesen Orten (wie auch fast zu jedem anderen Ort im Banat) heutzutage ein Ortsfamilienbuch.

Ich hätte mir gerne jedes dieser Familienbücher zugelegt, denn Bücher kann man schließlich nie genug haben. Aber mein Budget war leider nicht dafür gemacht, mir jedes Ortsfamilienbuch aus der Banater Region zuzulegen. Und an der Stelle kommen die Büchereien ins Spiel.

Nationaler Fernleiheverkehr

Ich habe mir eine Bibliothek gesucht, die dem nationalen Fernleiheverkehr angeschlossen ist. Hier in Paderborn ist das die Universitätsbibliothek. Ich konnte mir also per Fernleihe so ziemlich jedes Buch aus weit entfernten Bibliotheken (Stuttgart, München, Berlin) für eine schmale Mark bestellen. Und nicht nur das. Auch die verfilmten Banater Mikrofilme des IfA (Institut für Auslandsbeziehungen) in Stuttgart konnte ich anfordern und am Lesegerät in der Uni-Bibo einsehen. So hatte ich die Möglichkeit, einen Teil der Einträge aus den Ortsfamilienbüchern durch Kopien der Kirchenbücher zu verifizieren.

Wenn du mit deiner Forschung in entfernteren Regionen unterwegs bist, schau dir auf jeden Fall an, welche Literatur zu den jeweiligen Orten bereits vorhanden ist. Mach dich schlau, welche Bibliothek bei dir an den nationalen Fernleiheverkehr angeschlossen. Recherchier in dem Katalog dieser Bibliothek und bestelle dir die entsprechenden Bücher. Das kann eine gute Basis für weitere Forschungen sein.

Zur Abrundung meiner eigenen Banat Bibliothek habe ich mir dann im vorletzten Jahr selber ein Geschenk gemacht, weil es so frisch war, dass es über die Fernleihe noch gar nicht bestellbar war: das zweibändige Ortsfamilienbuch aus Groß Betschkerek (heute Zrenjanin). Ein unglaublich dicker Wälzer.

Nur einer von zwei Bänden…

Einer der Autoren hat mir mal erzählt, dass er ganze 7 Jahre daran gearbeitet hat. Was das für eine Arbeit ist, kann ich erst so richtig einschätzen, nachdem ich selber an der Erstellung eines solchen Familienbuches mitwirke.

Tipp für Banatforscher

Im Katalog von familysearch.org sind inzwischen sehr viele von den Banater Kirchenbuchduplikaten digital einsehbar, u.a. auch Setschan und Lazarfeld. Falls du dort schon registriert bist, such einfach mal nach den entsprechenden Ortsnamen. Eine allgemeine Anleitung zur Suche im Katalog von Familysearch habe ich hier geschrieben.

Hast du noch Fragen? Dann hinterlass mir gerne eine Kommentar.

Hier erfährst du mehr über den Hintergrund zu „52 Vorfahren in 52 Wochen“

4 thoughts on “#52 – Woche 5: „Bücherei“

    1. Hallo Grete,
      das kommt auf den Ort an, in dem du suchst.

      Eine generelle Übersicht zu den online verfügbaren Ortsfamilienbüchern findest du beim Verein für Computergenealogie, Kategorie OFB: http://ofb.genealogy.net/

      Für Böhmen gibt es bisher die folgenden online Ortsfamilienbücher: http://wiki-de.genealogy.net/Kategorie:Ortsfamilienbuch_zu_B%C3%B6hmen.

      Was an Büchern evtl. noch in Bibliotheken schlummert, kann ich dir nicht sagen. Da müsstest du mal im Katalog einer Bibliothek in deiner Nähe nachsehen, die dem Fernleiheverkehr angeschlossen ist.
      In welchen Orten recherchierst du denn?

      Beste Grüße!

    1. Hallo Flo,
      danke für die Info. Die Seite kannte ich bisher noch gar nicht. Ich habe bereits irgendwo mal aufgeschnappt, dass diese Kopien irgendwo existieren.

      VG
      Sabrina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.