Kostenlose Ahnenforschung mit Familysearch – Anleitung für Anfänger

kostenlose Ahnenforschung mit Familysearch

Wenn du noch Anfänger in der Ahnenforschung bist, möchte ich dir unbedingt die Seite von familysearch.org ans Herz legen. Als ich vor ca. 15 Jahren mit meiner eigenen Ahnenforschung angefangen bin, war diese Seite meine Hauptanlaufstelle. Es gab zu der Zeit ja noch nicht so viele Seiten mit genealogischen Datenbanken. Aber selbst heute, im Zeitalter der Digitalisierung, schaue ich immer noch regelmäßig auf der Seite vorbei. Denn der Bestand an indizierten Datensätzen sowie digitalisierten Quellen wächst ständig. Und das beste ist: der Inhalt ist komplett kostenlos.

Aber was ist Familysearch überhaupt? Die Website wird betrieben von den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, im Original ‚The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints‘, kurz: LDS. Vermutlich wird dir eher der Begriff ‚Mormomen‘ etwas sagen. Allerdings gab es kürzlich ein Statement durch die LDS, dass die offizielle Bezeichnung bevorzugen.

Wie auch immer: die Mitglieder haben es sich aufgrund ihres Glaubens zur Aufgabe gemacht, auf der ganzen Welt Kirchenbucheinträge, Standesamtsregister sowie sonstige genealogische Quellen zu verfilmen, auf Mikrofilmen zu sichern und zu indizieren. Die Ergebnisse werden auf www.familysearch.org zur Verfügung gestellt. Für die Nutzung der Seite ist lediglich eine Registrierung erforderlich, es fallen keine Kosten an.

Ich nutze die Website im Wesentlichen für zwei Arten der Recherche: die Suche im Katalog sowie die Suche in den Aufzeichnungen

1. Familysearch – Suche im Katalog

Ich stelle dir die Suche im Katalog anhand eines Beispiels vor. Nehmen wir mal an, du möchtest wissen, welche Kirchenbücher zur Dompfarrei Paderborn vorhanden sind.

Nachdem du dich angemeldet hast, klickst du zunächst in der oberen Leiste auf „Suchen“ und dann auf „Katalog“:

Ahnenforschung mit Familysearch - Anleitung für Anfänger
https://www.familysearch.org/

Dort gibst du unter Ort den Namen des Ortes ein, in welchem du recherchieren möchtest. Es öffnet sich sofort eine lange Vorschlagsliste. Wähle da den am besten passendsten Vorschlag aus, weil die Suche sonst keine Ergebnisse liefert. Die Suchfunktion ist ziemlich umfangreich. Bei den ehemaligen ostdeutschen Gebieten führt beispielsweise sowohl der alte, deutsche Name (z.B. Fraustadt) als auch der heutige, polnische Name (Wschowa) zum Ziel.

Alle anderen Felder lässt du erstmal unverändert und klickst auf „Suchen“. Du gelangst dann in die Übersicht zu allen Quellen, die zum gesuchten Ort vorhanden sind. Je nach Größe des Ortes kann die Sammlung unterschiedlich groß ausfallen. Paderborn scheint hier zu den eher umfangreich erschlossenen Orten zu gehören….

Ahnenforschung mit Familysearch für Anfänger
https://www.familysearch.org/search/catalog/results

Klick dich einfach mal durch die vorhandenen Quellen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was so vorhanden ist. Für die eigentliche Recherche sollten es aber erstmal die Kirchenbücher (church records) und die Standesamtsregister (civil registration) tun.

Bleiben wir in diesem Beispiel bei den Kirchenbüchern (church records). Hier öffnet sich eine weitere Übersicht, mit den einzelnen Pfarreien (von denen Paderborn recht viele hat…). Nachdem ich mich für eine Kirche entschieden habe (hier die Dompfarrei), gelange ich in die Detailansicht zum jeweiligen Kirchenbuch

Ahnenforschung mit Familysearch für Anfänger
https://www.familysearch.org/search/catalog

Unter den allgemeinen Notizen (im oberen Bereich) siehst du, in welchem Archiv die Aufnahmen des Kirchenbuchs gemacht wurden (hier im Bistumsarchiv Paderborn, das heutige Erzbistumsarchiv).

In den Notizen zum Film siehst du links den genaueren Inhalt sowie den betreffenden Zeitraum des Kirchenbuchs. Rechts steht die Nummer des Mikrofilms, auf denen die Aufnahmen der Kirchenbuchseiten zu finden sind.

Jetzt wird’s spannend. Rechts neben der Film Nummer siehst du die Symbole, welche dir Aufschluss über die Zugangsmöglichkeiten zu dem Film geben:

  • Mikrofilm
  • Kamera
  • Kamera mit Schlüssel:
  • Lupe

Mikrofilm

In wenigen Fällen liegt ein Film nach wie vor auf Mikrofilmrolle vor. In der Vergangenheit konntest du den jeweiligen Film  kostenpflichtig aus den USA in ein Family History Center in deiner Nähe bestellen und den Film an den dort vorhandenen Lesegeräte einsehen. Da inzwischen ein Großteil der Mikrofilme digitalisiert wurde, hat der Versand der Mikrofilmrollen an Bedeutung verloren und ist 2017 eingestellt worden. Bis 2020 sollen nach eigenen Aussagen alle Mikrofilme digitalisiert sein.

Wenn du also in einigen wenigen Fällen noch über das Symbol mit der Mikrofilmrolle stolperst, ist dieser Film noch nicht digitalisiert worden. Ich wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, dass man selber über die Kontaktseite von Familysearch https://integration.familysearch.org/ask/help eine vorrangige Digitalisierung eines Mikrofilms beantragen kann. Leider habe ich keine Erfahrungen damit, wie schnell so ein Antrag umgesetzt wird. Wenn du mehr dazu weißt, lass es mich per Mail oder in den Kommentaren wissen.

Es soll auch Mikrofilme geben, die inzwischen zwar digitalisiert sind, deren Zugriff aber aufgrund von Auflagen (bspw. durch das Archiv, welches die Originalquelle aufbewahrt) nicht möglich ist. So oder so, sofern ein Film meiner Wahl noch nicht digitalisiert ist, gucke ich mir erstmal an, in welchem Archiv der Film aufgenommen wurde. Wenn es ein Archiv in der Nähe ist, wähle ich lieber den direkten Weg dorthin.

Kamera

Jackpot!!! Das Kamerasymbol bedeutet, dass der Mikrofilm inzwischen digital vorliegt und direkt für dich am heimischen PC uneingeschränkt einsehbar ist. In den (meist deutschen) Regionen, die für meine private Familienforschung relevant sind, kommt dies eher selten vor. Aber internationale Quellen, insbesondere aus den USA sind oft direkt abrufbar. Probiere es einfach mal aus.

Kamera mit Schlüssel

Dies bedeutet, dass die Inhalte zwar digital vorliegen, der Zugriff aber eingeschränkt ist. Eingeschränkt bedeute in der Regel, dass der nur über ein Family History Center möglich ist. Wo sich in das nächste FHC in deiner Nähe befindet, kannst Du hier nachsehen. Die Recherche in den Centern ist für jeden (ggf. nach vorheriger Terminabsprache) an hauseigenen PCs möglich. Teilweise wird der Zugang auf die Digitalisate auch am eigenen Laptop ermöglicht. Die Mitarbeiter vor Ort sind sehr hilfsbereit. Alles rund um die Sicherung der Dateien (Fotografie, Kopie, Abspeichern) klärst du am besten direkt vor Ort.

Lupe

Wenn zusätzlich neben dem Film noch eine Lupe vorhanden ist, dann ist der Inhalt des Films durchsuchbar. Wie das funktioniert und was du dabei beachten musst, kannst du im folgenden Abschnitt lesen.

2. Familysearch – Suche in den Aufzeichnungen

Die Mitglieder der LDS stellen nicht nur die Scans der Kirchenbücher und sonstigen genealogischen Quellen zur Verfügung. Über die Online Indexierung kann jeder bei der Indizierung der Einträge helfen. Somit werden die Mikrofilme nicht nur einsehbar, sondern auch durchsuchbar gemacht. Der Indexierer erfasst in der Regel die Art des Ereignisses (Taufe, Heirat, Tod…) und die beteiligten Personen. Bei Taufen (und in vielen Fällen auch bei Heiraten) können dies die Eltern sowie Taufpaten oder Trauzeugen. Auf die Indizierung werde ich an anderer Stelle nochmal detailierter eingehen.

Der generelle Einstieg in die Suche der bereits indizierten Datensätze geht über das Suchmenü > Aufzeichnungen. Hier kannst du die Suchmaske nutzen, um in allen Aufzeichnungen zu recherchieren. Gib einfach mal den Namen eines deiner Vorfahren ein und den Ort, wo die Familie gelebt hat. Für realistische Ergebnisse sollten die Personen vor 1900 gelebt haben.

Ahnenforschung mit Familysearch für Anfänger
https://www.familysearch.org/search/hr/search

Du erhältst anschließend eine Trefferliste mit allen Ergebnissen in sämtlichen, indizierten Sammlungen. Da die Suche immer phonetisch erfolgt, also auch ähnlich klingende Namen als Treffer geliefert werden, solltest du die Suche soweit es geht zeitlich als auch regional (durch Eingabe des Ortes) eingrenzen. Dies gilt vor allem, wenn der Familienname recht häufig vorkommt.

Einen nicht ganz so breit gefassten Einstieg in die Suche bekommst du, indem du erst über die Katalogsuche gehst, wie oben beschrieben. Sofern du dann die Lupe neben dem jeweiligem Mikrofilm oder Digitalisat siehst, ist der Inhalt durchsuchbar. Durch Klick auf die Lupe gelangst du in eine ähnliche Suchmaske. Die Ergebnisse deiner Suche werden dann aber nur innerhalb dieses Films geliefert.

Kein Ersatz für Originalquelle

Die Suche in den Aufzeichnungen sollte immer nur ein erster Anhaltspunkt sein. Denn die indizierten Einträge sind nicht unbedingt vollständig. Sterbefälle wurden in der Vergangenheit bei der Indizierung oft nicht berücksichtigt. Des Weiteren fehlen innerhalb eines Ereignisses oft Angaben zu weiteren beteiligten Personen (Tauf- oder Trauzeugen). Diese können für die weiterer Klärung der familiären Beziehungen aber von enormer Wichtigkeit sein, denn die Paten kamen oft aus dem näheren Verwandtenkreis. Auch Lese- und / oder Schreibfehler sind nicht ausgeschlossen. Ganz zu schweigen davon, dass sich Schreibweisen der Familiennamen im Laufe der Zeit geändert haben. Meine Vorfahren mit dem Namen Baumhoer habe ich schon in den dollsten Varianten gefunden: Baumhoeer, Baumhöver/-höfer, Baumheuer/-hauer, Baumögger, Baumhär …, um nur einige zu nennen. Du solltest also im ersten Schritt mehrere Namensvarianten in Verbindung mit dem Ort ausprobieren und dann in jedem Fall Einsicht in die Originalquelle nehmen.

Hast du in den Aufzeichnungen einen Vorfahren gefunden, kannst du wiederum über die Filmnummer die Details einsehen. Dann weißt du, in welchem Archiv das Kirchenbuch einzusehen ist.

Das soll es für den Einstieg in die Recherche mit familysearch.org erstmal sein. Die Seite bietet inzwischen noch viele andere Möglichkeiten, seine Familienforschung auszubauen. Ich werde in einem weiteren Beitrag darüber schreiben. Wie sind deine Erfahrungen mit Familysearch? Was interessiert dich noch an der Seite? Lass es mich in den Kommentaren oder per Email wissen.

Wenn du noch weiterstöbern möchtest, erfährst du hier, welche weiteren kostenlosen Websites zu meinen persönlichen Top 3 für die Ahnenforschung gehören.

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