Ahnenforschung Fotos

Das Rätsel um Oma Schönkirch

Schaust du dir auch so gerne alte Fotos an?
Ich habe das Glück einen ganzen Karton voller sepiafarbener Schätzchen zu haben. Bunt gemischt, überwiegend von meinen Großeltern mütterlicherseits. Von meinem Opa habe ich sogar noch ein Fotoalbum, mit vielen Fotos seiner Familie aus Heinrichau in Niederschlesien. Kurz vor Kriegsende. Kurz vor der Flucht nach Deutschland. Heute erzähle ich davon, wie ein Foto mich vor eins der größten Rätsel in meiner eigenen Familienforschung gestellt hat. Und wie dieses Foto gleichzeitig auch die Lösung offenbart hat.

Das Foto

Ahnenforschung Fotos

Links auf dem Foto ist mein Großonkel in Marineuniform zu sehen.  Rechts auf dem Foto sein Vater (mein Urgroßvater), Erich Hermann Otto Karl Fleischer, oder einfach nur Erich. Und die Dame in der Mitte? Offensichtlich Oma Schönkirch, wenn man der Bildüberschrift glauben darf. Aber wer ist Oma Schönkirch? Ich fand in meiner Ahnenliste niemanden mit diesem Namen. Da das Fotoalbum von meinem Opa angelegt wurde, könnte man annehmen, dass es sich um seine Oma handeln muss. Aber Fehlanzeige. Keine von seinen Omas trug den Namen Schönkirch, weder als Geburts- noch als Familiennamen.

Oder hieß es doch eher Schöneich? Hm, es gab mal eine Großcousine meines Opas, die einen Schöneich geheiratet hat, aber was sollte der jetzt damit zu tun haben? War Schönkirch vielleicht gar nicht der Hausname, sondern eher ein Spitzname der „Oma“? Bei uns in der Familie kommt es schon mal vor, dass sich der Spitzname der Großeltern aus dem Wohnort ergibt, zum Beispiel  Oma (westfälisch eher ‚Omma‘) Elsen, oder Omma Neuhaus. Wenn ihr mal googelt, wie viele Orte es mit dem Namen ‚Schönkirch‘ gibt, könnt ihr verstehen, warum ich diese Spur nicht weiter verfolgt habe. Also habe ich das Foto und meine Gedanken erstmal an die Seite gelegt, irgendwann wird sich diese Frage bestimmt noch klären.

Einige Jahre und auch einige Verwandtenbesuche später war das Rätsel noch nicht gelöst. So saß ich also auf dem Sofa und starrte dieses Foto an, und starrte und starrte. Irgendwie muss sich die Antwort doch darin verbergen.

Das Rätsel

Also nochmal die Fakten: Mein Großonkel trägt Marineuniform. Das Foto muss also um 1942 rum aufgenommen worden sein, vermutlich während eines Heimatbesuchs. Am Zaun im Hintergrund (rechts neben dem Arm meines Urgroßvaters) meinte ich ein Blechschild mit der Beschriftung „..alzkaffee“ zu erkennen, vermutlich ein Werbeschild für Malzkaffee. Das Haus vor dem die drei stehen könnte also ein Art Tante Emma Laden gewesen sein.

Dann kam plötzlich die entscheidende Eingebung. Was ist denn das für ein Schild im Hintergrund , über den Hauseingang? Direkt über dem Kopf von Oma Schönkirch? Da steht doch was mit ‚…handlung‘? Darunter …. Renner, oder M…. Renner , heißt das eventuell Martha Renner? Lässt sich schlecht erkennen. Auch der alte Trick mit Negativbetrachtung (Farbumkehr) am PC scheint wohl eher nur für Textdokumente zu funktionieren….

Also ab an den Rechner und Tante Google mit „Renner“ und „Schönkirch“ gefüttert

Schon nach kurzer Zeit hatte ich meinen ersten interessanten Treffer gelandet. Ich fand einen alten Adressbucheintrag aus Gontkowitz . Der alte, deutsche Name von Gontkowitz ist Schönkirch. Dort lebte in den 1930er Jahren ein Benno Renner, Kolonialwarenhändler.  Der Rest war ein Kinderspiel: ich habe dann Namen und Ort in die Suchmaske bei ancestry.de eingegeben. Und siehe da:

Volltreffer! Es gab eine Heiratsurkunde. 1919 heiratete ein Benno Renner aus Schönkirch eine Marta Fleischer, geborene Uhle. Die Heirat fand in Breslau statt. Beim Namen ‚Fleischer‘ klingelte es natürlich direkt.

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Die Lösung

Ich erinnerte mich sofort an folgendes Ereignis: Als mein Urgroßvater klein war, lebte die Familie in Fraustadt (heute: Wschowa, Polen). Seine Mutter verstarb mit nur 26 Jahren, vermutlich im Kindsbett kurz nach der Geburt des dritten Kindes (welches leider auch verstarb). Zu der Zeit war mein Urgroßvater gerade mal 4 Jahre alt. Sein Vater, Eduard, war damit bereits im Alter von 31 Jahren verwitwet und stand mit 2 kleinen Kindern alleine da. Er wird daher mit großer Sicherheit nochmal geheiratet haben. Daran hatte ich bisher nicht gedacht.

Auf der Internetseite der polnischen Staatsarchive sind die Standesamtsregister von Fraustadt (Wschowa) online einsehbar und ich hatte sofort den Beweis in der Hand:  Knapp 6 Monate nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, im Oktober 1901, heiratete Eduard Fleischer (der Vater des Herren rechts im Bild) ein weiteres Mal, nämlich eine gewisse Martha Uhle aus Breslau. Diese wiederum heiratete 1919 in zweiter Ehe besagten Benno Renner aus Schönkirch. Aus Martha Fleischer geb. Uhle wurde damit Martha Renner, welche später in Schönkirch lebte und scheinbar irgendwann den Kolonialwarenhandel ihres Mannes übernahm.

Oma Schönkirch ist also die Stiefoma meines Urgroßvaters. Da lag ich mit dem Spitznamen á la Omma Elsen gar nicht so verkehrt.
Fotos anstarren hilft….

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