5 Mythen über Ahnenforschung

5 Mythen über Ahnenforschung

Bist du auch schon von Kollegen oder Bekannten gefragt worden, warum du überhaupt Ahnenforschung machst? Und hast du dann immer eine überzeugende Antwort parat? Ich nicht. Im Gegenteil. Ich werde im Alltag immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, die mir zeigen, dass dem Thema „Ahnenforschung“ nach wie vor ein etwas angestaubtes Image anhaftet. Um damit aufzuräumen habe ich die Stammbaum Manufaktur ins Leben gerufen. Und diesen Beitrag geschrieben. Hier sind die 5 größten Klopper:

1. Ahnenforschung ist nur was für alte Leute

Das höre ich leider sehr oft. Und ich kann genauso oft nur betonen, dass dies der größte Quatsch überhaupt ist. Grundsätzlich kann und sollte sich jeder mit der Geschichte seiner Herkunft auseinandersetzen. Ich selber bin im Alter von 20 Jahren damit angefangen. Auslöser war ein Zahnarztbesuch. Aber dazu schreibe ich an anderer Stelle nochmal mehr, versprochen.

Ja, das Publikum was mir in Archiven begegnet ist zugegebenermaßen eher die Generation Eltern/Großeltern. Aber schau dich doch mal in den sozialen Netzwerken um. Auf Instagram gibt es inzwischen so einige Hashtags zum Thema Ahnenforschung (#stammbaum, #Uropa usw). Im Vergleich zu den USA natürlich noch deutlich unterrepräsentiert, aber es wird. Es gibt Gruppen auf Facebook, verschiedenste Pinnwände bei Pinterest und so weiter. Die Inhalte dieser Beiträge und Gruppen kommen ganz sicher nicht nur von „alten Leuten“. Ganz im Gegenteil.

Ich finde es enorm wichtig, dieses Thema in die Köpfe der jüngeren Generationen zu bringen. Warum? Wir stehen aktuell an einer zeitlichen Schwelle, an der die Kriegs- bzw. Nachkriegsgeneration langsam ausstirbt. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie viele Geschichten und persönliche Schicksale in einigen Jahren für alle Zeit begraben sind. Die Zeit läuft uns davon. Wir müssen mit unseren Eltern/Großeltern sprechen, bevor es zu spät ist. Deine Kinder oder Enkelkinder werden sehr wahrscheinlich nicht mehr die Gelegenheit haben, diese Erlebnisse aus erster Hand zu erfahren. Also nutze du die Chance, diese Erinnerungen für die kommenden Generationen zu bewahren.

2. Ahnenforschung ist langweilig

Mag vielleicht auf den ersten Blick so scheinen. Hast du es denn ausprobiert? Vielleicht ist für dich eine ganz spezielle Sparte interessant, zum Beispiel die DNA-Genealogie, oder Wappenkunde, oder Namenskunde, oder oder oder. Oder du möchtest lieber verwandtschaftliche Beziehungen mit Königshäusern oder irgendwelchen Promis nachweisen. Möglicherweise gibt es auch irgendein Familiengeheimnis, welches es zu erkunden gibt? Fang erstmal an. Beurteile nichts, was du nicht ausprobiert hast. Flugzeuge fotografieren oder Briefmarken sammeln ist ja auch langweilig. Finde ich. Aber ich habs ja auch noch nicht ausprobiert…

3. Du bist irgendwann fertig mit deinem Stammbaum

Auch diese Aussage begegnet mir immer wieder. Allerdings mehr als Frage formuliert: „Wann bist du denn fertig mit deiner Suche“? Die korrekte Antwort auf diese Frage lautet wohl: „Wenn ich für jeden meiner Vorfahren nachgewiesen habe, dass er von Adam und Eva abstammt“. Von daher gibt es also noch einiges zu tun.

Im Ernst: fertig ist man nie. Mir hat mal jemand gesagt „Ahnenforschung ist wie ein Puzzle ohne Rand“. Das kommt dem sehr nahe. Ich mache das ganze jetzt seit 16 Jahren. Es gab immer wieder Phasen, in denen ich alles an die Seite gelegt habe, weil ich einfach nicht weitergekommen bin und damit gefühlt für mich „fertig“ war. Aber mit der Zeit tut sich eigentlich immer irgendwo eine neue Quelle auf. Es werden inzwischen so viele Digitalisate ins Netz gestellt. Oder er erscheint irgendwo ein neues Ortsfamilienbuch. Schwupp ist eine weitere Generation da, über die man mehr erfahren möchte.

4. Ahnenforschung bringt mir nichts

Die Frage ist ja, was bezwecke ich denn mit meiner Forschung? Mache ich das für mich selber? Möchte ich wissen, wo meine Wurzeln liegen? Die Beantwortung dieser Fragen ist meiner Meinung nach schon Antrieb genug, sich mit der Vergangenheit seiner Familie auseinanderzusetzen.
Darüber hinaus lernst du unheimlich viel über Geschichte, wissenschaftliches Arbeiten sowie rechtliche Aspekte der Ahnenforschung.

Auch wenn geschichtliches Wissen in der Schule nie deine Stärke war, setzt du dich automatisch irgendwann damit auseinander. So war es zumindest bei mir. Zu Beginn meiner Forschung war ich lediglich an den Fakten zu meinen Vorfahren interessiert. Wann wurde Person XY geboren, wann hat sie geheiratet, wann ist sie gestorben? Zack, fertig, nächster. Irgendwann bin ich dann angefangen, das Wissen um diese Person in einer Art Lebenslauf zu rekonstruieren. Da war ich an dem Punkt, wo ich die Lebensdaten zwangsläufig in den geschichtlichen Kontext einordnen musste. Militärische Angehörigkeiten in den beiden Weltkriegen, Vertreibung aus den ehemaligen ostdeutschen Gebieten usw. Alles Themen, die mich in meiner Schulzeit nicht wirklich interessiert haben. Asche auf mein Haupt. Mir hat einfach der Bezug gefehlt. Jetzt, wo ich einen großen Teil der persönlichen Schicksale dahinter kenne, sehe ich das in einem völlig anderen Licht.

Was habe ich mir damals im Studium einen abgebrochen, um den Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten gerecht zu werden. Jetzt gehören Quellenangaben, Zitate etc. zum Alltag, weil ich immer wieder die Konsequenzen zu tragen habe, wenn ich irgendwo nicht sauber gearbeitet habe. Im Rahmen meiner 52 Vorfahren in 52 Wochen Challenge stolpere ich auch jetzt immer wieder noch darüber, dass mir an der ein oder anderen Stelle Quellenangaben zu Geburts-, Heirats oder Todesdaten fehlen. Fehlt die Quelle, hat die Information für mich dann eher den Wert eines Gerüchts. Ich muss also nacharbeiten, überlegen, woher ich die Information habe und schlimmstenfalls das Archiv erneut aufsuchen.

Auch um rechtliches Hintergrundwissen wirst du nicht herum kommen. Sei es Themen wie Sperrfristen im Personenstandsgesetz, Datenschutz noch lebender Personen, Auskunftsrecht etc. Auch da ist die Palette an anzueignendem Wissen recht groß. Aber das schöne ist, wenn du Ahnenforschung ernsthaft und langfristig betreibst, kommt das alles von ganz alleine.

5. Ahnenforschung darf nichts kosten

In einem meiner letzten Blogposts habe ich dir meine persönlichen Top 3 der kostenlosen Websites für Ahnenforschung vorgestellt. Der Beitrag gehört zu den meistgelesensten auf diesem Blog und zeigt, dass insbesondere „kostenlose Ahnenforschung“ von großem Interesse ist.

Ich verstehe dass du kein unnötiges Geld ausgeben möchtest, gerade wenn du noch am Anfang der Erforschung deines Stammbaums stehst. Wenn du das Ganze aber ernsthaft betreiben möchtest, musst du mit Folgekosten rechnen. Ich nenne hier mal die gängigsten Positionen:

Für die Archivbesuche können Kosten in Form von Nutzungsgebühren sowie Kopierkosten anfallen. Deine Aufwendung für Fahrt- oder Reisekosten nicht zu vergessen. Gebühren von Standesämtern oder sonstigen Behörden für die Ausstellung von Personenstandsurkunden. Eventuelle Lizenzkosten für Softwareprogramme die du nutzen möchtest. Mitgliedschaften in genealogischen Vereinen oder Plattformen wie Ancestry oder My Heritage. Vielleicht musst du auch irgendwann mal einen professionellen Ahnenforscher beauftragen. Es hängt also auch immer davon ab, wie intensiv du das Ganze betreibst. So oder so, Ahnenforschung KANN gar nicht kostenlos sein. Immerhin erhältst du ja immer eine Gegenleistung. Und mal ehrlich: welches Hobby ist schon gratis?

Ich hoffe ich habe mit diesem Beitrag ein wenig Aufklärungsarbeit geleistet. Sind dir auch diese oder noch weitere Mythen begegnet? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar dazu.

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