#52 – Woche 4: „Wen ich gerne treffen würde“

#52 Vorfahren Woche 4 Beitrag

„Wen ich gerne treffen würde“ – das Thema in der 4. Woche der 52 Vorfahren in 52 Wochen Challenge. Leider trifft das auf so ziemlich jeden meiner Vorfahren zu. Beim näheren Hinsehen gibt es aber eine Person, die ich von Anfang an gerne zu ihrem Leben befragt hätte: Elisabeth Baumhoer, die Schwester meines Ur-Urgroßvaters. Sie ist eine der wenigen Baumhoers, die damals ihren Lebensmittelpunkt ausserhalb von Paderborn gefunden hat und aufgrund ihres Lebens sicherlich einiges zu erzählen hatte. Aber ich fange lieber vorne an.

Kindheit in Paderborn

Elisabeth wurde geboren am 02.10.1867 in Paderborn. Wie es sich gehört, fand die katholische Taufe am darauffolgenden Sonntag in der Paderborner Gaukirche statt. Ihre Eltern waren der Bäckermeister Albert Baumhoer und Caroline Gertrud Schäfers. Elisabeth hatte 7 ältere und 3 jüngere Geschwister. Die Familie wohnte in Haus Nr. A82, welches ihr Vater Albert für seine Bäckerei wenige Jahre zuvor dem Bleckschläger Blum abgekauft hatte. Ab etwa 1896, im Zuge der Neubennennung der Paderborner Straßen, trug das Haus die Anschrift Rathausplatz 17. Es lag direkt neben dem berühmten Café Wiemuth (Rathausplatz 19). Heute ist unter dieser Adresse eine Filiale der Parfumkette mit mintfarbenem Schriftzug untergebracht.

Frankreich und die Schweiz

Mit knapp 21 Jahren verließ Elisabeth zum ersten Mal ihre westfälische Heimat. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris kam sie im südwestfranzösischen Saint-Gaudens, kurz vor der spanischen Grenze an. Dort war sie zusammen mit ihrer älteren Schwester Bernardine und einer Tante als Gouvernante tätig. Anschließend verschlug es sie wieder für ein paar Jahre zurück nach Paderborn.

Sie wohnte bis etwa 1906 bei ihren Eltern im Rathausplatz 17, über der ehemaligen Bäckerei, aus der inzwischen der Feinkosthandel Albert Baumhoer geworden war.

Quellen aus dem Paderborner Stadtarchiv belegen, dass Elisabeth in den folgenden Jahren immer wieder zwischen Bern, Paris, Freiburg und Straßburg gependelt sein muss. Zwischendurch tauchen auch immer mal wieder mehrmonatige Aufenthalte in Paderborn auf, z.B. 1920 anlässlich der Beerdigung ihrer Schwester sowie 1921 als ihr Bruder beerdigt wurde. Anschließend ging es zurück ins Ausland. Ich konnte nie wirklich in Erfahrung bringen, was genau sie immer wieder nach Frankreich und in die Schweiz verschlagen hat.

Schweizer Baron

Wie so oft in der heutigen Ahnenforschung, erhielt ich den entscheidenden Hinweis irgendwann übers Internet. Auf findagrave.com stolperte ich über das Foto eines Grabsteins einer Elisabeth Baumhöer (1867-1943). Konnte sie das sein?

Quelle: https://www.findagrave.com/memorial/157544260/elisabeth-baumh_er#

Auf dem Grabstein steht übersetzt: „Hier ruht Elisabeth Baumhoer 1867-1943 deren Zuneigung und Hingabe 54 Jahre lang der Familie de Lassus und de Graffenried-Villars galt.“

Aha. In Diensten bei den Nachfahren eines Berner Patriziergeschlechts. Nicht schlecht. Ich vermute dass sie beim Baron Arnold Robert Ernst Friedrich de Graffenried-Villars und seine Frau und Germaine Marie Magdalene de Lassus beschäftigt war. Vielleicht als Kindermädchen. Die Familie lebte in Paris, später aber auch in Straßburg sowie auf ihrem Schloss La Poya in Freiburg. Das würde also bestens zu den Aufenthaltsorten von Elisabeth Baumhoer passen. Scheinbar hat sie in der Familie einen guten Job gemacht, der Grabstein ist ja schon ein ganz schöner Trümmer für eine alleinstehende Frau…

Ich fing an, weitere Recherchen anzustellen. Jetzt hatte ich ja zumindest das Sterbejahr, also sollte es doch ein leichtes sein, auch an ihre Sterbeurkunde zu kommen. Meine Anfragen an das Staatsarchiv in Freiburg Elisabeth Baumhoer wurde wirklich nett beantwortet. Leider ohne Erfolg. Sie wurde erst 8 Jahre nach ihrem Tod, im Jahre 1951, nach Freiburg überführt, aber der Sterbeort ist unbekannt. Auch die Friedhofsverwaltung Cimetière Saint-Léonard konnte nicht für mich in Erfahrung bringen, wo sie gestorben ist, da die Unterlagen zur ihrer Überführung nach Freiburg nicht mehr existieren.

Aktuelle Recherchen

Gestern war ich dann noch kurz in Paris. Natürlich nur virtuell. Das Pariser Archiv hat die Digitalisate der Personenstandsregister in bester Qualität online gestellt. Ich habe mich durch die Dezenaltabellen bzw. Namensregister des Jahres 1943 für jedes Pariser Arrondissement geklickt, leider habe ich Elisabeth Baumhoer darin nicht gefunden. Gerne hätte ich sie auch in den Pariser Populationslisten der 1930er Jahre gesucht, welche aber nur im Präsenzbestand einsehbar sind.

Paris und Freiburg scheiden als Sterbeort also aus. Ich denke daher, dass sie in Straßburg verstorben ist (wie der Baron de Graffenried Villars übrigens auch). Ich denke dass ich in Kürze mal Kontakt mit dem Straßburger Archiv aufnehmen. Online sind die enstprechenden Jahrgänge leider nicht.

Ich hätte Elisabeth Baumhoer wirklich gerne getroffen um mehr über ihr Leben zu erfahren. Sie hat zwei Weltkriege überlebt und kann sicherlich spannende Dinge aus ihrer Zeit in Paris und Freiburg erzählen. Ich hoffe dass ich irgendwann die Zeit finde, noch intensiver über ihr Leben in Frankreich und in der Schweiz zu recherchieren. Konkret steht für mich im Sommer diesen Jahres noch die Einsicht in eine Akte an, welche im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde lagert. Dabei scheint es um die Eigentümerschaft an ihrem Elternhaus am Rathausplatz in Paderborn zu gehen, welches sie nach dem Tode aller ihrer Geschwister irgendwann geerbt haben muss. Vielleicht gibt sie aber auch ein wenig Aufschluss über das gesamte Leben von Elisabeth Baumhoer.

Möchtest du mehr über #52 Challenge erfahren? Hier gibts weitere Informationen: 52 Vorfahren in 52 Wochen

Wenn du aber erstmal „klein“ anfangen möchtest, über deine Vorfahren zu schreiben, dann mach doch mit bei meiner Blogparade „Heute vor 100 Jahren“.

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