Ahnenschwund

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Ahnenschwund (auch Ahnenverlust oder Implex genannt) hört sich erstmal kompliziert an, ist aber eigentlich ganz einfach.

Herleitung

Mit jeder Generation verdoppelt sich die Anzahl deiner direkten Vorfahren: du hast 2 Eltern (1. Generation), 4 Großeltern (2. Generation), 8 Urgroßeltern (3. Generation) und so weiter. Wenn du das so weiterführst, erreicht dein Stammbaum rein rechnerisch in der 30. Generation (also etwa vor rund 1000 Jahren) bereits über eine Milliarde (!) Vorfahren.

Die theoretische Anzahl deiner Ahnen in direkter Linie übersteigt damit also die Höhe der gesamten Weltbevölkerung zu der Zeit. Diese dürfte (sehr grob über den Daumen gepeilt) gerade mal um die 500 Millionen gelegen haben. Kann also irgendwas nicht ganz passen. Fazit: Es muss Heiraten unter Verwandten gegeben haben. Ob bewusst oder unbewusst, lasse ich mal dahingestellt.

Keine Angst, das bedeutet nicht gleich, dass deine Urgroßeltern Geschwister waren. Da hatte die Kirche in der Regel schon ein Auge drauf. Aber es brauchen nur entfernte Cousins x-ten Grades geheiratet zu haben, und schwupps, verschwindet eine ganze Ahnenlinie. Weil Braut und Bräutigam die gleichen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-x-Großeltern haben. Ich behaupte mal, dass du im Rahmen deiner Forschung zwangsläufig auf den ersten Fall von Ahnenschwund treffen wirst. Früher oder später.

Ein Beispiel

Um es noch verständlicher zu machen, konstruiere ich einfach mal ein sehr einfaches Beispiel. Nehmen wir an, Anton und Anna haben zwei Kinder, Bert und Brigitte. Bert heiratet irgendwann und bekommt einen Sohn namens Christoph. Auch Brigitte heiratet und wird Mutter einer Tochter, Claudia:

Stammbaum von Anton und Anna

Christoph und Claudia sind also Cousin und Cousine. Sie haben die gleichen Großeltern. Nehmen wir mal an, die beiden finden sich ganz toll, heiraten irgendwann und bekommen eine Tochter namens Daniela. Dann hat Daniela anstatt der üblichen acht Urgroßeltern nur sechs. Denn die Urgroßeltern väterlicherseits sind auch gleichzeitig ihre Urgroßeltern mütterlicherseits:

Vorfahrenliste von Daniela

Das Ganze lässt sich so fortsetzen. Statt 16 Ur-Urgroßeltern (100%) sind es bei Daniela nur 12 (75%), statt 32 Ur-Ur-Urgroßeltern (100%) nur 24 (75%) usw.. Ihr Ahnenverlust liegt also bei 25%.

Je näher die Vorfahren miteinander verwandt sind, desto größer ist das Risiko von Erbkrankheiten. Dies lässt sich oft in adeligen Familien beobachten, in denen Verwandtenehen an der Tagesordnung waren. Der klassischer Fall von Ahnenschwund durch Verwandtenheirat ist Karl II, König von Spanien. Er soll, wie in meinem Beispiel, bereits in 3. Generation einen Ahnenverlust von 25% gehabt haben. Auch bei ihm sind es anstatt der 8 Urgroßeltern (100%) nur 6 (75%). Seine Eltern waren also schon sehr nah miteinander verwandt. Und auch in ihrer Linie gab es vorausgegangene Verwandtenehen. Die liebe Andrea Bentschneider hat dazu einen sehr unterhaltsamen Beitrag geschrieben: „Hilfe, ich hab Ahnenschwund“.

Gefühlt tritt der Ahnenschwund im 20. Jahrhundert eher selten auf. Dies lässt sich meiner Meinung durch gesetzliche Regelungen in Bezug auf Verwandtenehen erklären. Andererseits ist es mit und nach den beiden Weltkriege verstärkt zu Wanderungsbewegungen (Flucht, Vertreibung sowie allgemein zunehmende Mobilität) gekommen. Der typische Fall, in welchem der jeweilige Ehepartner immer aus dem gleichen Dorf kam (und damit sehr wahrscheinlich über Ecken verwandt war) ist eher in den vorangegangenen Jahrhunderten zu beobachten.

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